Baubeginn für das „Memorium Nürnberger Prozesse“
Pressemitteilung der Stadt Nürnberg am 13.3.2009:
Das Zeichen zum Baubeginn für das „Memorium Nürnberger Prozesse“ haben am heutigen Freitag, 13. März 2009, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk und Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly gegeben. Mit Hammerschlägen brachen sie eine Wand durch und starteten damit die Bauarbeiten im Ostbau des Nürnberger Justizgebäudes, in dessen Saal 600 in den Jahren 1945/46 das Internationale Militärtribunal über die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes richtete. Ab 2010 soll die neue Dokumentationsstätte mit einer Dauerausstellung über die „Nürnberger Prozesse“ informieren. Die von Bund und Land Bayern getragenen Baukosten sind mit 4,2 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten für die Ausstellung und den Unterhalt der Einrichtung übernimmt die Stadt Nürnberg.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann betonte in seiner Rede die nicht nur nationale, sondern auch internationale Bedeutung des Projekts: „Hier ist die Geburtsstunde der internationalen Strafgerichtsbarkeit. Das Recht steht über dem Krieg: Diese fundamentale Überzeugung, die schließlich zur Errichtung des Haager Gerichtshofs führte – sie wird hier in Nürnberg geboren.“ Neumann hob auch das Engagement der Stadt Nürnberg hervor: „Die Stadt Nürnberg übernimmt mit dem Unterhalt eine besondere Verantwortung.“
Die Nürnberger Prozesse „sind Schluss und Ursprung zugleich“, erklärte Bayerns Justizministerin Dr. Beate Merk – zum einen „Schlusspunkt der nationalsozialistischen Herrschaft“ und zum anderen „Ursprungsort der internationalen Strafgerichtsbarkeit, die demonstriert, dass Diktatoren immer damit rechnen müssen, sich dem Recht unterwerfen zu müssen“.
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly sagte unter anderem: „In unserer Museumskonzeption ist das Memorium ein wichtiger Stein. Kein Schlussstein. Denn die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wird nie zu Ende sein. Wir müssen Geschichte vermitteln. Wir tun es am leichtesten, wenn wir dort hingehen, wo wir Authentizität vermitteln.“
Alle Redner würdigten die besondere Rolle des früheren Bundesbauministers Dr. Oscar Schneider. Als Sprecher des Kuratoriums Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände habe er das Projekt Memorium nachhaltig unterstützt und seine vielfältigen Verbindungen genützt, um es voran zu bringen.
„Mit der für 2010 geplanten Eröffnung des Memoriums Nürnberger Prozesse wird eine Lücke in der deutschen Erinnerungslandschaft geschlossen. Es wird uns gelingen, am historischen Ort in angemessener Form an die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem verbrecherischen NS-Regime zu erinnern“, unterstrich Prof. Dr. Julia Lehner, die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg.
Ein deckenhohes Gerüst steht in diesen Tagen vor der Rückwand des Schwurgerichtssaals. 1945, als dieser Saal für den Hauptkriegsverbrecherprozess genutzt wurde, befand sich an dieser Stelle eine eigens eingerichtete Publikumstribüne. In den sechziger Jahren war diese Tribüne dann rückgebaut worden.
„In die Rückwand werden oberhalb der hölzernen Wandverkleidung vier Öffnungen gebrochen, die eine eindrucksvolle Sicht- und Bedeutungsachse zwischen dem historischen Gerichtssaal und der neuen Dauerausstellung im Dachgeschoss ermöglichen werden. Hierdurch erhält der zukünftige Besucher einen einzigartigen Einblick in einen Raum, der zugleich ein Ort historischen Weltgeschehens und heute noch ein Ort aktueller Rechtsprechung ist“, erklärte Dr. Matthias Henkel, der Direktor der museen der stadt nürnberg.
In der Tat wird auch heute noch der Saal 600 an bestimmten Verhandlungstagen für die Rechtsprechung genutzt. Lediglich bei Prozessphasen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogen werden müssen, wird die später hier eingebaute Verglasung vorübergehend verschlossen. In der Regel wird die Besichtigung des Schwurgerichtssaals jedoch möglich sein und damit als „Hauptexponat“ den dramaturgischen Höhepunkt des Rundgangs bilden, der mit dem Besuch der Dauerausstellung im Dachgeschoss beginnt.
Die nun nach einem Jahr der Bau- und Entwurfsplanung beginnenden Bauarbeiten bedeuten weitreichende Veränderungen in dem historischen Justizgebäude, das 1916 eröffnet wurde. Neben dem Ausbau des Dachgeschosses auf einer Ausstellungsfläche von rund 750 Quadratmetern entsteht im Erdgeschoss ein neuer Eingangsbereich. Für den Einbau eines Fahrstuhls und die Verlängerung des Treppenhauses bis in den Dachstuhl sind darüber hinaus Wand- und Deckendurchbrüche notwendig.
Die veranschlagten Gesamtkosten der Baumaßnahmen in Höhe von 4,2 Millionen Euro übernehmen je zur Hälfte der Bund und der Freistaat Bayern. Für die zukünftige Dauerausstellung sind Kosten in Höhe von 700 000 Euro veranschlagt. Diese übernimmt die Stadt Nürnberg, die als Träger der Einrichtung zugleich auch die Kosten für deren Unterhalt tragen wird.
Mit dem Memorium Nürnberger Prozesse entsteht eine neue Einrichtung der museen der stadt nürnberg, die vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände kuratorisch betreut wird und inhaltlich unmittelbar an die dortige Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ anknüpft. sz
07. September 2010 at 11:06
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